Nachlese des 7. Ethik-Forums: Ist die Patienverfügung gescheitert?

Gruppenbild der Referenten des 7. Ethik-ForumsVon links: Dr. med. Frank Naumann, Ines Geissler, Daniela Wraske, Pastor Rudolf Westerheide, Pastor Detlev Hanke

Mit der provokanten Frage, ob die Patientenverfügung gescheitert sei, haben sich 80 Interessierte auf dem 7. Ethik-Forum 2017 am 15. November  2017 im Evang. Krankenhaus Woltersdorf auseinandergesetzt.    

Grundlage dieses Themas ist ein Urteil des Bundesgerichtshofes von 2016, das hervorhob, dass die Aussagen in der Patientenverfügung möglichst konkret sein müssen. Die Patientenverfügung sei nur bindend, wenn einzelne medizinische Maßnahmen, Krankheiten oder Behandlungssituationen klar genug beschrieben würden. „Nur das Feld angekreuzt zu haben, dass "keine lebenserhaltenden Maßnahmen" gewünscht seien, reiche nicht aus.“, so auch das einstimmige Urteil der Referenten des 7. Ethik-Forums.

Wo ist der eigene Wille?
Aus der Sicht der Ärzteschaft beleuchtet Chefarzt Dr. Frank Naumann in seinem Vortrag das Thema und zeigte anhand von Fallbeispielen auf, wie schwierig es ist, den mutmaßlichen Willen des Patienten  zu erkennen und wie vielschichtig die Situationen manchmal sind.

Fazit
Wie so häufig gibt es keine einfachen Antworten. Eindeutig ist allerdings das Votum der Referenten für eine Patientenverfügung in Verbindung mit einer Vorsorgevollmacht, in der möglichst handschriftlich detailliert die Verfügung für konkrete medizinische Maßnahmen und Situationen aufgeschrieben sind. Ein weiter Wunsch und Rat ist es, mit vertrauten Menschen über die eigene Wertvorstellung zu sprechen, so dass ein umfassendes Bild entstehen kann.

Und in allem bleibt ein Grad an Unsicherheit, den es auszuhalten gilt. So lauter die Vorstellung eines Lebens in Selbstbestimmung bis zum letzten  Augenblick ist, so leben wir doch auch in Abhängigkeiten. Als Baby sehr deutlich und als älterer kranker Mensch wieder mehr. Nicht alles lässt sich im Voraus regeln.  

Jörg Maushake



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